Versprechensfeier bei Meeresrauschen: Schwedenfahrt der Pfadi-Stufe

Erschienen am 10. September 2018 in Diözese Fulda

Nils Gädtke

seit 2001 Pfadfinder, Leiter der Pfadistufe seit 2011

 

Zwei Jahre Vorbereitung mündeten für unsere Pfadi-Stufe im Juli in ein zweiwöchiges Schwedenlager, von dem noch an vielen Lagerfeuerabenden geschwärmt werden wird. Die Idee zu diesem Lager war im Sommer 2016 entstanden. Auf der Stufenkonferenz stellte der Pfadi-AK dann einen Antrag: „Es war uns wichtig, eine Aktion in der Größenordnung auf eine breite Mehrheit im Verband fußen zu können,“ erzählt Nils Gädtke, Referent der Pfadi-Stufe, „daher haben wir darauf geachtet, möglichst alle in die Planungen des Lagers einzubeziehen.“ Nach dem einstimmigen Beschluss der Stufenkonferenz wurden allen Pfadis des Diözesanverbandes vier Lagerplätze zur Abstimmung gestellt. Die Lagerplätze in den Niederlanden, Italien, Dänemark und Schweden wären alle für die Fahrt geeignet gewesen – durchgesetzt hat sich aber mit eindeutiger Mehrheit die Pfadfinderinsel Vässarö in den schwedischen Schären nördlich von Stockholm.

Auch beim Programm setzte der Pfadi-AK auf Mitbestimmung: Im März fand eine Vollversammlung statt, bei der Delegierte aller acht teilnehmenden Trupps das Lagermotto bestimmen und Schwerpunkte für das Programm setzen konnten. „Die Pfadis haben das großartig gemacht! Sie haben Ideen eingebracht und diskutiert, Anträge formuliert und Beschlüsse gefasst,“ berichtet Sebastian Becker, ebenfalls Referent der Pfadi-Stufe. „So war sichergestellt, dass wir den Pfadis ein Lager bieten, das auch ihren Vorstellungen entspricht.“

So vorbereitet konnte es also am 14. Juli endlich losgehen. 85 Pfadis und Leiter*innen in zwei Reisebussen und ein Materialtransporter machten sich auf eine knapp 24-stündige Reise. Nach der Fähre von Fehmarn nach Dänemark und der Öresundbrücke, die Dänemark und Schweden verbindet, wartete am Ende ein weiteres Highlight: Da die Insel Vässarö nicht durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, warteten zwei kleine Fähren auf die Gruppe, um sie auf die Insel zu bringen.

Auf Vässarö angelangt war es nach einer kleinen Stärkung mit Blaubeersuppe an der Zeit, das Lager zu errichten. Die schwedische Partnergruppe war bereits am Vortag angereist und hatte ihr Lager aufgeschlagen, auf der Nachbarwiese blieb aber ausreichend Platz für die vielen Jurten und Kothen. Im Anschluss wurde erst einmal die Insel erkundet und natürlich die Badestelle ausfindig gemacht. Bei sommerlichen Temperaturen von mehr als 30° C war das genau das richtige, um sich von der langen Reise zu erholen.

Der nächste Tag begann für einen Teil der Gruppe direkt mit der nächsten Reise. Diesmal waren allerdings Kanus die Transportmittel. In Kleingruppen mit schwedischen und deutschen Pfadis machten sie sich auf den Weg durch die Schären, um für die Nacht einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Der Abend der Übernachtungshikes wurde in den verschiedenen Kleingruppen genutzt, um sich gegenseitig kennenzulernen, schwedische und deutsche Pfadfindertraditionen zu vergleichen und ein wenig Liedgut auszutauschen. Der Rest der deutschen Gruppe verbrachte die Zeit – nach den letzten Aufbauarbeiten – größtenteils am Wasser: für sie war Chill-Tag angesagt. Am nächsten Tag wurden die Kanus getauscht und auch die zweite Gruppe machte sich auf zu ihren Übernachtungshikes.

Nachdem am Mittwoch alle an den Lagerplatz zurückgekehrt waren, stand etwas Besonderes an: Das Pfadi-Café wurde eröffnet. Das Café, das die Pfadis in einer Teiljurte der Jurtenburg selbst einrichten durften, war ein Rückzugsort für die Pfadis. Leiter*innen hatten hier keinen Zutritt. Außerdem nahm die WhatsApp-Wand ihren Betrieb auf. Hier hatten alle – Pfadis und Leiter*innen – die Möglichkeit, sich persönliche Nachrichten, Lobkarten oder Zeichnungen zukommen zu lassen. Die WhatsApp-Wand stand bis zum Ende des Lagers bereit und wurde rege genutzt – für längere Lager ist so ein Lagerpost-System sehr zu empfehlen!

Den nächsten Tag verbrachten die Pfadis wieder gemeinsam mit ihrer schwedischen Partnergruppe. Zum großen Social-Media-Geländespiel traten sie in gemischten Kleingruppen gegeneinander an und mussten der erfolgreichste Youtube-Channel werden. An verschiedenen Stationen konnten sie gemeinsam Aufgaben lösen und so Follower verdienen. Extra Follower gab es für konsequentes Englischreden und gutes Teamwork. So mussten die Pfadis bei Tellonym Bildbotschaften per Rückenmalerei übermitteln und eine Legofigur nach mündlicher Beschreibung nachbauen. Bei Instagram mussten sie möglichst viele Begriffe auf einem Polaroid-Gruppenbild darstellen und bei Snapchat in der One-Minute-Challenge mehrere kleine Geschicklichkeitsaufgaben bewältigen. Am Ende des Tages mussten sie ihre Erlebnisse in einem kleinen Theaterstück/YouTube-Video darstellen und hatten so die Möglichkeit, vor der Preisverleihung noch letzte Follower zu sammeln. Im Anschluss wurde der erfolgreichste Channel geehrt und mit einer Menge Süßigkeiten belohnt.

Leider stand noch am selben Abend die Verabschiedung von den Pfadfinder*innen aus Linköping an. Nach einem gemeinsamen Abschlusskreis wurden in schwedischer Tradition die Aufnäher überreicht und der Abend klang an der Badestelle aus. Das Eis zwischen deutschen und schwedischen Pfadis war spätestens während des Geländespiels gebrochen und so unterhielten sie sich bis spät in die Nacht hinein, tauschten Aufnäher und Halstücher, sangen gemeinsame Lieder und genossen die erfrischende Kühle der Ostsee.

Während der Stamm Valla den Freitag für Abbau und Abreise nutzte, teilten sich unsere Pfadis in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe blieb am Platz, besuchte verschiedene Workshops, knüpfte Halstuchknoten oder Freundschaftsbänder oder suchte sich eine Badeaufsicht und verbrachte den Vormittag am Wasser. Die andere Gruppe brach auf zum Hafen und durfte dort in kleinen Segelbooten die Ostsee erkunden. Für viele, die noch nie auf einem Segelboot gewesen waren, war das ein unvergessliches Erlebnis! Schließlich ist es etwas ganz Besonderes, nur von der Kraft des Windes durch das Wasser bewegt zu werden – ganz ohne Motorenlärm und -gestank und auch beinahe ohne körperliche Anstrengung. Natürlich wurde nach dem Mittagessen gewechselt, sodass alle die Gelegenheit bekamen, diese Erfahrung zu machen.

 

Am Freitagabend brachen viele Pfadis und Leiter*innen auf, um sich mit einer polnischen Nachbargruppe am Volleyballfeld zu treffen. Dort stieß noch spontan eine Pfadfindergruppe aus Taiwan hinzu und es wurde ein spaßiger und sportlicher Austausch.

Das Wochenende verbrachten die Trupps unter sich. Die Vollversammlung hatte beschlossen, dass es zwei Stammestage geben sollte und so konnten alle Trupps ihre Zeit nach eigenem Interesse gestalten. Manche nutzten die Gelegenheit,  die Insel zu verlassen und eine schwedische Kleinstadt zu erkunden, andere nutzten die Angebote der Insel und nahmen am Trappertrail und anderen Aktivitäten teil. Ein Trupp nutzte die Zeit auch für die Vorbereitung der Pfadi-Versprechen, ein anderer unternahm eine kleine Wanderung an die Südküste der Insel und übernachtete dort in einer kleinen Schutzhütte.

Der Witzenhäuser Trupp nutzt die Stammestage für die Vorbereitung der Pfadi-Versprechen, die am Dienstagabend am Nordufer der Insel bei Sonnenuntergang stattfanden. Die Pfadis beschäftigten sich intensiv mit den Wag-Es-Sätzen und ihrer eigenen (pfadfinderischen) Biografie, um für sich selbst Ziele für ihre Zeit in der grünen Stufe zu setzen. Jede einzelne bereitete einen persönlichen Text vor und so konnte der Trupp mit Gästen aus Fulda und Ahl eine wunderschöne Versprechensfeier mit Gitarre und Gesang, Meeresrauschen, Fackelschein und einem abschließenden Bad in der Ostsee genießen. Glückwunsch an die stolzen Trägerinnen des grünen Tuchs und danke für die tolle Feier!

Die Stammeszeit endete am Sonntagabend mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle der Insel. Der Gottesdienst begann am Lagerplatz mit dem gemeinsamen Weg zur Kapelle und schon auf dem Weg gab es verschiedene Zitate zu lesen – thematisch passend zum Motto des Gottesdienstes: Wag es, nach dem Sinn deines Lebens zu suchen! In der Kapelle fand dann eine sehr schöne und persönliche Wort-Gottes-Feier statt. Danke Joana und Frank für die Vorbereitung!

Die zweite Woche unseres Aufenthalts in Schweden startete mit einem weiteren Highlight. Nach dem Frühstück brachen alle gemeinsam auf zum Hafen und ließen sich ans Festland bringen. Dort gab es eine kleine Pause, doch nach ein paar Gruppenspielen konnte die Gruppe dann die Reisebusse nach Stockholm besteigen. Ein City-Trip stand an! In Stockholm hatten die Pfadis und ihre Leiter*innen dann knapp sieben Stunden Zeit, die Stadt zu erkunden – für eine so wunderschöne und große Stadt wie Stockholm natürlich viel zu wenig. Dennoch reichte die Zeit aus, den Palast zumindest von außen zu besichtigen (der schwedische König ist übrigens auch Pfadfinder) und durch die Gamlastad (Altstadt) zu bummeln. Einige Gruppen besichtigten auch den Hafen. Überrascht waren alle von den vielen anderen Pfadfinder*innen, die in Stockholm zu treffen waren. So gab es, wenn auch unplanmäßig, noch die ein oder andere weitere internationale Begegnung – und unser Lager hat es bis nach New Jersey geschafft.

Der Rest der Zeit verging dann für viele viel zu schnell. Nachdem der Dienstag als Chill-Tag von den meisten am Wasser verbracht wurde, startete der Mittwoch noch einmal richtig durch: Ein großes Capture-the-flag mit vier rivalisierenden Gruppen war geplant. Nach dem Frühstück machten sich die vier Teams auf, ihre Basis zu errichten, ihre Flagge zu gestalten und eine Taktik für die Schlacht am Nachmittag zu erarbeiten. Nach der Mittagspause ging die dann auch los. Im Laufe des Nachmittags schaffte es eins der Teams, zwei der anderen Teams zu erobern und so ins eigene Team zu integrieren. Das vierte Team ergab sich am Ende, um Streitereien vorzubeugen.

Den Donnerstagvormittag nutzten alle, die noch nicht zum Segeln gewesen waren, um dies nachzuholen – und einige nutzten die Gelegenheit für eine zweite Runde. Der Nachmittag stand dann schon im Zeichen des Abbaus. Die Jurtenburg und einige Schlafzelte wurden bereits abgebaut und verstaut, sodass der Aufbruch am Freitag schneller vonstatten gehen konnte. Vorher jedoch feierten die Pfadis und ihre Leiter*innen den letzten Abend eines wunderbaren Lagers an der Badestelle – Sauna, Snacks und Musik durften hierbei natürlich nicht fehlen.

Nach einer langen Rückreise konnten dann alle müde, glücklich und voller Erinnerungen in die heimischen Betten fallen –  und uns bleibt an dieser Stelle nur noch der Dank: Danke an die Pfadis, für die wir dieses Lager veranstalten durften! Ihr habt das Lager mit Leben gefüllt und so unvergesslich gemacht! Danke an die Leiter*innen, die uns das Vertrauen geschenkt haben und sich mit ihren Trupps bei uns angemeldet haben! Danke an Alex und Patrick, die die Aufenthaltsjurte und das Pfadi-Café ermöglicht haben! Das war großartig! Danke an Jule, Johannes, Theo, David und Lexi für zwei Wochen leckeres Essen und den ein oder anderen Extra-Snack! Ihr seid der Hammer! Danke an die Ehrenamtlichen von Vässarö! Wir hatten eine tolle Zeit bei euch!

Zwei Jahre Planung, Herzblut und Stress haben sich in zwei Wochen Vässarö bezahlt gemacht. Wir sind froh über und stolz auf die Pfadi-Stufe Fulda!

 

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